Der Wert, mit dem die Forschung rechnet
Für Geldspielgeräte in Spielhallen und in der Gastronomie gibt es keine amtlich veröffentlichte Auszahlungsquote. Was es gibt, ist die Rechengrundlage der Suchtforschung: Das Jahrbuch Sucht legt seiner Ertragsrechnung für 2023 einen Spielgewinnanteil von 77,1 Prozent zugrunde, ausdrücklich als untere Grenze des Auszahlungsquoten-Spektrums, und kommt damit auf einen Bruttospielertrag von 4,8 Mrd. Euro.
Aus dieser Quote folgt ein Hausvorteil von bis zu 22,9 Prozent. Das ist eine andere Größenordnung als bei Tischspielen: Am Single-Zero-Roulette bleiben 2,70 Cent je eingesetztem Euro beim Anbieter, hier bis zu 22,9 Cent. Der Unterschied ist nicht graduell, und er ist der größte Sprung, den die deutsche Glücksspielstatistik überhaupt enthält.
Wichtig ist, was diese Zahl nicht ist. Sie ist keine Angabe für ein bestimmtes Gerät und keine Obergrenze, sondern die untere Grenze eines Spektrums, mit der eine Branchenaggregation gerechnet wurde. Für ein einzelnes Gerät kann der Wert darüber liegen; überprüfbar ist er von außen nicht.
Was die Spielverordnung stattdessen regelt
Statt einer Mindestquote schreibt die Spielverordnung Grenzen für den Spielablauf vor. Sie bestimmen, wie viel Geld überhaupt durch ein Gerät laufen kann, und sie sind der eigentliche Schutzmechanismus am terrestrischen Automaten.
Aus diesen Werten folgt eine Rechnung, die die Wirkung sichtbar macht. Bei fünf Sekunden Mindestspieldauer und höchstens 0,20 Euro Einsatz kann ein Gerät maximal 720 Spiele und 144,00 Euro Einsatz pro Stunde annehmen. Bei 22,9 Prozent Hausvorteil ergibt das einen erwarteten Verlust von rund 32,98 Euro je Stunde, während die Verordnung den Verlust zusätzlich auf 60 Euro je Stunde begrenzt.
Daraus folgt etwas Unerwartetes: Der erwartete Verlust bei maximalem Tempo liegt mit 32,98 Euro deutlich unter der Stundengrenze von 60 Euro. Diese Grenze bremst also nicht den Durchschnitt, sondern die Ausschläge. Sie verhindert die schlechten Stunden, nicht den langfristigen Preis des Spielens.
Quelle: § 13 Spielverordnung (SpielV).
Online gilt das Gegenteil
Für virtuelle Automatenspiele im erlaubten deutschen Markt kehrt sich der Ansatz um. Begrenzt wird nicht der Verlust, sondern der Einsatz: höchstens ein Euro je Spiel, bei ebenfalls durchschnittlich fünf Sekunden Dauer. Daraus folgt eine Obergrenze von 720 Euro Einsatz pro Stunde, dem Fünffachen des terrestrischen Werts. Eine Stundengrenze für den Verlust gibt es online nicht.
Dafür gibt es etwas, das am Gerät in der Spielhalle fehlt: Dem Spieler sind die Wahrscheinlichkeit auf den Gewinn des Höchstgewinns sowie die durchschnittliche Auszahlungsquote je einen Euro Spieleinsatz erkennbar anzuzeigen. (§ 22a Abs. 3 Satz 3). Die Auszahlungsquote bei Spielautomaten ist im erlaubten Online-Angebot also eine Pflichtangabe je einen Euro Einsatz, und wer sie sucht, findet sie im Spiel selbst. Am terrestrischen Gerät bleibt nur die Branchenzahl der Forschung.
Diese Asymmetrie ist der praktisch wichtigste Unterschied zwischen den beiden Angeboten. Sie bedeutet nicht, dass online günstiger gespielt wird, denn über die Höhe der Quote sagt die Pflicht nichts. Sie bedeutet, dass online überhaupt eine überprüfbare Zahl existiert, an der ein Vergleich ansetzen kann.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Auszahlungsquote bei Spielautomaten in Deutschland?
Für Geldspielgeräte rechnet die Suchtforschung mit 77,1 Prozent als unterer Grenze des Spektrums. Für erlaubte Online-Automatenspiele gibt es keine amtliche Zahl, aber eine Anzeigepflicht im Spiel.
Gibt es eine gesetzliche Mindestquote?
Nein. Geregelt sind Einsatzhöhe, Spieldauer und, am terrestrischen Gerät, Verlust und Gewinn je Stunde. Die Quote selbst schreibt der Gesetzgeber nicht vor.
Warum sind Automatenquoten niedriger als bei Tischspielen?
Weil sie nicht aus einer offenen Auszahlungstabelle folgen, sondern im Gerät konfiguriert sind, und weil das Spieltempo ein Vielfaches höher ist. Beide Effekte wirken in dieselbe Richtung.
Kann ich die Quote am Gerät ablesen?
Am terrestrischen Geldspielgerät nicht. Im erlaubten Online-Angebot ja, dort muss die durchschnittliche Auszahlungsquote je einen Euro Einsatz erkennbar angezeigt werden.
Quellen
- Jahrbuch Sucht 2025, Kapitel 2.4 „Glücksspiel – Zahlen und Fakten“, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Berichtsjahr 2023.
- § 13 Spielverordnung (SpielV) und § 22a GlüStV 2021, Virtuelle Automatenspiele, Primärtexte.
- Die Stundenrechnungen sind aus diesen Grenzwerten abgeleitet und im Text nachvollzogen.
Übersicht aller Spiele unter Auszahlungsquoten.