Die Formel
Für jeden möglichen Ausgang eines Spiels multipliziert man die Wahrscheinlichkeit mit dem Betrag, der in diesem Fall zurückfließt, und addiert alles auf. Der zurückfließende Betrag ist die Auszahlung plus der Einsatz, denn wer gewinnt, bekommt seinen Einsatz mit zurück. Die Summe ist die Auszahlungsquote.
- 1Auszahlung je Ausgangwas das Spiel zahlt, wenn ein Ausgang eintritt
- 2Wahrscheinlichkeit je Ausgangwie oft dieser Ausgang eintritt
- 3Summe der Produktedie Auszahlungsquote des ganzen Spiels
Daraus folgt eine Kontrolle, die jede Angabe prüfbar macht: Eine faire Wette, bei der die Auszahlung genau dem Kehrwert der Wahrscheinlichkeit entspricht, ergibt exakt 100 Prozent. Jede Abweichung nach unten ist der Hausvorteil, und sie steckt immer in der Differenz zwischen der tatsächlichen und der fairen Auszahlung. Beim Roulette ist diese Differenz besonders leicht zu sehen: Eine einzelne Zahl trifft in einem von 37 Fällen, gezahlt werden aber nur 35 zu 1 statt 36 zu 1.
Vier Roulettewetten, nachgerechnet
Am Single-Zero-Kessel führen alle Standardwetten auf dieselbe Quote, obwohl Auszahlung und Trefferchance sich stark unterscheiden. Das ist kein Zufall, sondern die Konstruktion des Spiels: Jede Wette verzichtet auf genau ein Kesselfach.
| Wette | Auszahlung | Trefferchance | Auszahlungsquote |
|---|---|---|---|
| Plein, eine Zahl | 35 : 1 | 2,70 % | 97,30 % |
| Cheval, zwei Zahlen | 17 : 1 | 5,41 % | 97,30 % |
| Douzaine, zwölf Zahlen | 2 : 1 | 32,43 % | 97,30 % |
| Rot oder Schwarz | 1 : 1 | 48,65 % | 97,30 % |
Vier verschiedene Wetten, vier identische Quoten. Wer also eine Wettart wählt, verändert nicht den Erwartungswert, sondern ausschließlich die Streuung. Was sich verändert, steht auf der Seite zur Volatilität: Die Standardabweichung je Runde reicht bei diesen vier Wetten von etwa 1,0 bis 5,8, bei genau derselben Quote.
Warum Video Poker anders gerechnet wird
Bei Video Poker hat ein Spiel nicht zwei, sondern ein Dutzend Ausgänge, und der Spielende entscheidet zwischendurch, welche Karten er hält. Die Rechnung bleibt dieselbe Summe, nur mit mehr Gliedern und mit einer zusätzlichen Bedingung: Sie gilt nur für optimale Spielweise. Deshalb steht bei der Angabe von 99,54 Prozent für die 9/6-Auszahlungstabelle immer diese Bedingung dabei, und deshalb liegt derselbe Spielname mit einer schlechteren Tabelle mehrere Prozentpunkte darunter.
Bei Blackjack kommt hinzu, dass jede Entscheidung die Wahrscheinlichkeiten verändert, weil Karten aus dem Spiel verschwinden. Deswegen lässt sich der Wert dort nicht in einer Zeile aufschreiben, sondern nur mit einer vollständigen Auswertung aller Situationen. Wie das aussieht und was es ergibt, steht auf der Blackjack-Seite, samt der Angabe des Regelsatzes, für den das Ergebnis gilt.
Wo die Rechnung an ihre Grenze kommt
Bei Automatenspielen bricht die Methode nicht zusammen, aber sie lässt sich von außen nicht anwenden. Die Wahrscheinlichkeiten stehen im Mathematikmodell des Spiels, und dieses Modell ist nicht einsehbar. Ohne Wahrscheinlichkeiten gibt es keine Summe, und ohne Summe keine überprüfbare Quote.
Genau an dieser Stelle greift die deutsche Regelung: Dem Spieler sind die Wahrscheinlichkeit auf den Gewinn des Höchstgewinns sowie die durchschnittliche Auszahlungsquote je einen Euro Spieleinsatz erkennbar anzuzeigen. (§ 22a Abs. 3 Satz 3). Der Anbieter rechnet also, und die Pflicht besteht darin, das Ergebnis offenzulegen. Nachrechnen kann man es von außen nicht, aber man kann es lesen und mit anderen Angaben vergleichen. Für die Bewertung eines Angebots ist deshalb weniger die Höhe der Quote entscheidend als die Frage, ob sie überhaupt ausgewiesen wird.
Ein zweiter Grenzfall sind Spiele mit progressiven Jackpots, bei denen ein Teil jedes Einsatzes in einen wachsenden Topf fließt. Im erlaubten deutschen Online-Angebot stellt sich diese Frage nicht, weil das Ansammeln von Einsätzen für künftige Gewinne dort untersagt ist. In anderen Märkten verschiebt es die Quote je nach Jackpotstand, und eine einzelne Zahl beschreibt das Spiel dann nicht mehr vollständig.
Häufige Fragen zur Berechnung
Wie rechne ich die Auszahlungsquote einer Wette aus?
Trefferchance mal Auszahlung plus Einsatz. Bei einer Wette, die in einem von 37 Fällen trifft und 35 zu 1 zahlt, sind das 36 geteilt durch 37, also 97,30 Prozent.
Warum haben alle Roulettewetten dieselbe Quote?
Weil jede Standardwette auf genau ein Kesselfach verzichtet. Auszahlung und Trefferchance verändern sich gegenläufig und heben sich in der Rechnung auf.
Kann ich den RTP eines Spielautomaten selbst nachrechnen?
Nein, weil die Wahrscheinlichkeiten der Symbolkombinationen nicht offenliegen. Im erlaubten deutschen Online-Angebot muss der Wert stattdessen im Spiel angezeigt werden.
Ändert sich die Quote durch die Einsatzhöhe?
Bei den hier gerechneten Spielen nicht: Die Quote ist ein Verhältnis und damit unabhängig vom Betrag. Der erwartete Verlust in Euro steigt dagegen proportional mit dem Einsatz.
Quellen
- Alle Roulettewerte auf dieser Seite folgen aus 37 Kesselfächern und der jeweiligen Auszahlung; die Rechnung steht im Text.
- § 22a GlüStV 2021, Virtuelle Automatenspiele, Primärtext der Anzeigepflicht und des Jackpotverbots.
Vollständige Übersicht unter Quellen und Methodik.