Casino Statistiken

Erklärungen · Mathematik gegen Annahme

Mythen über Casinospiele und was die Rechnung dazu sagt

Die verbreiteten Annahmen über Glücksspiel sind nicht dumm, sie sind nur auf die falsche Größe gerichtet: Menschen suchen Muster in kurzen Folgen, während die Mathematik dieser Spiele über sehr lange Folgen definiert ist.

Serien sind normal

50 Runden ziehen

längste Serie einer Farbe
davon Rot

Wahrscheinlichkeiten des Single-Zero-Kessels: 18 von 37 Rot, 18 von 37 Schwarz, 1 von 37 Zero. Eine lange Serie ändert die nächste Runde nicht.

Eine blanke Messingscheibe, die auf ihrer Kante balanciert und sich auf der Lackfläche spiegelt

01

„Ein Automat, der lange nichts ausgezahlt hat, ist bald fällig."

Jede Runde ist unabhängig von allen vorherigen. Ein Spiel führt kein Konto über seine Auszahlungen, und die Auszahlungsquote entsteht nicht durch Ausgleich, sondern dadurch, dass einzelne Runden im Verhältnis zur Gesamtzahl immer unbedeutender werden. Nach einer Verlustserie ist die Wahrscheinlichkeit der nächsten Runde genau dieselbe wie vorher.

02

„Nach sieben Mal Rot muss Schwarz kommen."

Die Kugel hat kein Gedächtnis. Die Wahrscheinlichkeit für Schwarz bleibt 18 von 37, unabhängig davon, was vorher fiel. Was tatsächlich zutrifft: Lange Serien sind selten, aber sie sind vor Beginn genauso selten wie mitten in ihrem Verlauf, und das ist der Denkfehler.

03

„Mit Verdoppeln nach jedem Verlust gewinnt man langfristig sicher."

Eine Progression verändert die Verteilung der Ergebnisse, nicht den Erwartungswert. Sie tauscht viele kleine Gewinne gegen einen seltenen, sehr großen Verlust. Der Hausvorteil bleibt bei jedem einzelnen Einsatz gleich, und weil der Gesamteinsatz durch das Verdoppeln steigt, steigt der erwartete Verlust in Euro mit.

04

„Ein höherer RTP bedeutet automatisch das bessere Spiel."

Für den erwarteten Verlust ja, für den Verlauf nicht zwangsläufig. Zwei Spiele mit gleicher Quote können sich um Größenordnungen unterschiedlich anfühlen, weil die Streuung entscheidet, wie lange ein Guthaben hält. Eine hohe Quote bei extremer Volatilität kann schneller aufzehren als eine etwas niedrigere bei ruhigem Verlauf.

05

„Zwei Symbole plus eines knapp daneben heißt, es war fast ein Gewinn."

Bei einem Spiel mit Zufallsgenerator gibt es kein „fast". Das Ergebnis steht mit der Bestimmung der Zufallszahl fest, die Darstellung auf den Walzen ist nur die Anzeige dieses Ergebnisses. Eine knappe Anzeige ist kein Hinweis darauf, dass ein Treffer nahe war.

06

„Zu bestimmten Tageszeiten zahlen Spiele besser aus."

Für den erlaubten deutschen Markt gilt eine Anzeigepflicht für die durchschnittliche Auszahlungsquote je einen Euro Einsatz. Eine tageszeitabhängige Steuerung müsste sich in dieser Angabe niederschlagen. Wer Unterschiede zu bestimmten Zeiten beobachtet, beobachtet die Streuung eigener Sitzungen.

Die Progression, ausgerechnet

Der dritte Mythos lässt sich vollständig durchrechnen, und das Ergebnis erklärt, warum die Methode sich so überzeugend anfühlt. Wer am Single-Zero-Kessel auf Rot oder Schwarz setzt, verliert eine Runde mit Wahrscheinlichkeit 19 von 37, also 51,35 Prozent. Für eine Verlustserie der Länge n ergibt sich 51,35 Prozent hoch n, und der Einsatz, der zum Weiterverdoppeln nötig ist, wächst mit 2 hoch n minus 1.

Verdoppeln ab einem Euro: nötige Bankroll und Wahrscheinlichkeit der Verlustserie
Verluste in Folge nötige Bankroll Wahrscheinlichkeit entspricht etwa
4 15 € 6,954 % 1 von 14
6 63 € 1,834 % 1 von 55
8 255 € 0,484 % 1 von 207
10 1.023 € 0,128 % 1 von 784
12 4.095 € 0,034 % 1 von 2.974

Der Kern des Trugschlusses: Eine Serie von zwölf Verlusten tritt nur in 0,034 Prozent der Fälle auf, also etwa einmal unter 2.974 Versuchen. Genau deshalb funktioniert die Methode meistens, und genau deshalb ist sie wertlos: Der eine Fall kostet 4.095 Euro, um insgesamt so viele Euro zu gewinnen, wie Runden gespielt wurden. Der Erwartungswert bleibt bei jedem Einsatz -2,70 Prozent, und über den größeren Gesamteinsatz wächst der erwartete Verlust in Euro sogar.

Dazu kommt eine praktische Grenze, die in der Rechnung noch fehlt: Tischlimits und, am Geldspielgerät in Deutschland, gesetzliche Einsatzgrenzen. Eine Progression, die verdoppeln muss, stößt an diese Grenze lange bevor sie an ihre Wahrscheinlichkeitsgrenze stößt. Ab dort ist der Verlust nicht mehr aufholbar, weil der nächste nötige Einsatz nicht mehr erlaubt ist.

Woran man einen Mythos erkennt

Alle sechs Beispiele haben dieselbe Struktur: Sie behaupten eine Beziehung zwischen vergangenen und künftigen Runden. Diese Beziehung existiert bei Spielen mit Zufallsgenerator oder mit einem Kessel nicht. Wo sie tatsächlich existiert, nämlich beim Blackjack durch die abnehmende Kartenmenge, ist sie kein Geheimwissen, sondern Gegenstand der berechneten Basisstrategie.

Der zweite Prüfstein ist die Frage, ob eine Behauptung den Erwartungswert oder die Verteilung betrifft. Strategien können die Verteilung verändern, also wie oft man gewinnt und wie viel dabei auf dem Spiel steht. Den Erwartungswert verändern sie nur dort, wo Entscheidungen mathematisch relevant sind. Für alles andere gilt die Rechnung auf der Seite zur Auszahlungsquote: Was nicht zurückgezahlt wird, bleibt beim Anbieter, unabhängig davon, in welcher Reihenfolge die Einsätze fallen.

Häufige Fragen zu diesen Annahmen

Gibt es heiße und kalte Spielautomaten?

Nein. Ein Spiel mit Zufallsgenerator hat kein Gedächtnis, und die Erlaubnis für ein einzelnes Spiel in Deutschland verlangt ausdrücklich, dass die Gewinnaussichten zufällig sind und für jeden Spieler gleiche Chancen eröffnet werden. Eine Phase, in der ein Gerät mehr auszahlt, wäre damit nicht nur unwahrscheinlich, sondern unzulässig. Mehr dazu unter Zufallsgenerator und Zulassung.

Funktioniert die Martingale-Verdopplung?

Sie verschiebt nur die Verteilung: viele kleine Gewinne gegen einen sehr großen Verlust. Der Erwartungswert bleibt unverändert negativ, weil jede einzelne Runde denselben Hausvorteil trägt. Der benötigte Kapitaleinsatz wächst dabei exponentiell, und die Tischgrenze beendet die Progression, bevor das Kapital es tut.

Ist eine hohe Auszahlungsquote immer die bessere Wahl?

Sie ist der bessere Preis, nicht die bessere Erfahrung. Zwei Spiele mit identischer Quote können völlig unterschiedlich verlaufen, weil die Streuung unabhängig davon ist. Und bei zwei Spielen, deren Quote nur bei fehlerfreier Spielweise gilt, entscheidet die Spielweise über den tatsächlichen Wert. Die Streuung behandelt Volatilität und Varianz.

Kann eine lange Verlustserie beweisen, dass etwas manipuliert ist?

Nein, lange Serien sind in ausreichend langen Reihen zu erwarten. Auffällig wäre das Gegenteil: Echter Zufall erzeugt Klumpen, und eine auffällig gleichmäßige Verteilung wäre der verdächtigere Befund.

Verbessert eine Strategie die Gewinnchance beim Roulette?

Nicht den Erwartungswert. Jede Standardwette am Single-Zero-Kessel trägt denselben Hausvorteil von 2,70 Prozent, weil er aus 37 Fächern und der Auszahlung folgt. Eine Wettwahl verändert ausschließlich, wie groß die Ausschläge sind. Die Werte stehen unter Hausvorteil beim Roulette.