Was der Bruttospielertrag misst
Zwei Zahlen beschreiben denselben Markt und unterscheiden sich um mehr als das Vierfache. Für das Berichtsjahr 2023 weist das Jahrbuch Sucht Spieleinsätze von 63,5 Milliarden Euro aus und einen Bruttospielertrag von 13,7 Milliarden Euro. Der Einsatz ist jeder Betrag, der gesetzt wird, auch derselbe Euro zum zehnten Mal. Der Bruttospielertrag ist, was nach Auszahlung aller Gewinne bei den Anbietern verbleibt.
Aus dem Verhältnis der beiden folgt eine Größe, die in keiner der Quellen steht und die wir deshalb als Rechnung kennzeichnen: Über den gesamten legalen Markt bleiben 21,6 Prozent der Einsätze bei den Anbietern. Die restlichen knapp 78 Prozent gehen als Gewinne zurück und werden zu einem großen Teil erneut gesetzt. Genau dieser Rücklauf ist der Grund, weshalb eine Einsatzsumme nichts über die wirtschaftliche Größe eines Segments sagt.
| Spieleinsätze | 63,5 | berichtet |
|---|---|---|
| davon als Gewinn ausgezahlt | 49,8 | berechnet |
| Bruttospielertrag | 13,7 | berichtet |
| Einnahmen des Staates | 6,6 | berichtet |
Quelle: Jahrbuch Sucht 2025, Kapitel 2.4 „Glücksspiel – Zahlen und Fakten“, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Berichtsjahr 2023. DOI 10.2440/012-0021.
Vom Einsatz zum Ertrag: drei Segmente im Vergleich
Die drei Segmente, die das Jahrbuch gesondert ausweist, unterscheiden sich beim Einsatz um den Faktor 3,7, beim Ertrag um den Faktor 12. Die Abbildung zeigt beide Größen auf derselben Skala, damit der Unterschied zwischen den Spalten nicht durch getrennte Achsen verschwindet.
Werte in Mrd. Euro, Berichtsjahr 2023. Einsätze und Bruttospielertrag berichtet, der Einbehalt in Prozent daraus berechnet. Quelle: Jahrbuch Sucht 2025, Kapitel 2.4 „Glücksspiel – Zahlen und Fakten“.
| Segment | Einsätze | Bruttospielertrag | Einbehalt |
|---|---|---|---|
| Geldspielautomaten (Spielhallen und Gastronomie) | 21,0 | 4,8 | 22,9 % |
| Sportwetten (legaler Markt) | 12,0 | 1,8 | 15,0 % |
| Virtuelles Automatenspiel und Online-Poker | 5,7 | 0,4 | 7,0 % |
| Differenz zum legalen Markt insgesamt | 24,8 | 6,7 | 27,0 % |
| Legaler Markt insgesamt | 63,5 | 13,7 | 21,6 % |
Werte in Mrd. Euro. Die Differenzzeile ist eine Subtraktion und keine ausgewiesene Position: Sie enthält alle Formen, die dieses Datenblatt nicht einzeln führt, vor allem Lotterien und Spielbanken.
Der Befund, der jeder Intuition widerspricht: Das Segment mit dem höchsten Einbehalt ist nicht das Online-Segment, sondern das Geldspielautomatenspiel in Spielhallen und Gastronomie mit 22,9 Prozent. Virtuelles Automatenspiel und Online-Poker liegen zusammen bei 7,0 Prozent, also beim niedrigsten Wert der drei. Das ist kein Widerspruch zur Spielmathematik, sondern ihre Folge: Online werden Gewinne unmittelbar wieder gesetzt, sodass derselbe Euro vielfach als Einsatz zählt. Der Nenner wächst, der Ertrag nicht. Wer aus einem niedrigen Einbehalt auf ein günstiges Spiel schließt, verwechselt Umsatzgeschwindigkeit mit Preis.
Einsätze wachsen, Ertrag kaum
Zwischen den beiden Jahresvergleichen liegt der interessanteste Satz der ganzen Statistik. Die Spieleinsätze auf dem legalen Markt stiegen gegenüber dem Vorjahr um 19,5 Prozent, der Bruttospielertrag um 2,2 Prozent. Beide Änderungsraten sind veröffentlicht. Das Wachstum der Einsätze war damit rund 9-mal so hoch wie das Wachstum des Ertrags.
Indexiert, Vorjahr gleich 100. Grundlage sind die beiden veröffentlichten Änderungsraten.
Rechnet man die Änderungsraten zurück, ergeben sich für das Vorjahr Einsätze von rund 53,1 und ein Bruttospielertrag von rund 13,4 Milliarden Euro. Diese beiden Werte sind berechnet, nicht berichtet: sie folgen aus der Division des Jahreswerts durch eins plus die Änderungsrate. Wir führen sie mit, weil sie die einzige Möglichkeit sind, die Größenordnung des Vorjahres aus dieser Quelle zu benennen, und wir kennzeichnen sie, weil eine zurückgerechnete Zahl nicht denselben Rang hat wie eine erhobene.
Für die Statistik des Bruttospielertrags folgt daraus eine Warnung. Eine Meldung über einen wachsenden Glücksspielmarkt kann sich auf die Einsätze stützen und dabei fast zwanzig Prozent Zuwachs berichten, während der Ertrag praktisch stagniert. Beide Aussagen wären belegt. Wer den Bruttospielertrag betrachtet, sieht einen Markt, der sich kaum bewegt hat, und wer die Einsätze betrachtet, einen Markt im Aufbruch. Die Kennzahl entscheidet über die Geschichte.
Warum der nicht regulierte Markt hier nur als Schätzung steht
Für den nicht regulierten Teil nennt dieselbe Quelle einen Bruttospielertrag von 0,4 bis 0,6 Milliarden Euro und bezeichnet ihn als Schätzung. Eine Bandbreite statt eines Wertes ist hier die ehrlichere Angabe, denn es gibt keine Meldepflicht, aus der sich ein Ertrag ableiten ließe. Gemessen am regulierten Bruttospielertrag von 13,7 Milliarden Euro entspricht die obere Grenze dieser Schätzung rund 4,4 Prozent.
Diese Größenordnung steht in einem auffälligen Verhältnis zur Kanalisierungsquote, die den Anteil unerlaubter Angebote am Online-Marktvolumen mit 23 Prozent beziffert. Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen Verschiedenes: die eine einen Ertrag über alle Formen, die andere ein Volumen im Online-Segment. Wer sie gegeneinander stellt, muss beides dazusagen, sonst entsteht aus zwei korrekten Angaben eine falsche Aussage.
Quellen: Jahrbuch Sucht 2025, Kapitel 2.4 „Glücksspiel – Zahlen und Fakten“ für Ertrag und Schätzung, Tätigkeitsbericht der Aufsicht für die Kanalisierungsquote. Übersicht unter Quellen und Methodik.
Häufige Fragen zum Bruttospielertrag
Was ist der Bruttospielertrag?
Die Summe der Einsätze abzüglich der ausgezahlten Gewinne. Er entspricht dem Betrag, der bei den Anbietern verbleibt, bevor Steuern, Abgaben und Kosten abgehen. International steht dafür die Abkürzung GGR.
Wie hoch war der Bruttospielertrag in Deutschland?
Für das Berichtsjahr 2023 weist das Jahrbuch Sucht 13,7 Milliarden Euro für den regulierten Markt aus, bei Spieleinsätzen von 63,5 Milliarden Euro.
Warum ist der Bruttospielertrag so viel kleiner als die Einsätze?
Weil derselbe Euro mehrfach eingesetzt wird. Ein gewonnener Betrag wird in vielen Spielformen sofort wieder gesetzt und zählt erneut als Einsatz, während er zum Ertrag nichts beiträgt. Über den gesamten legalen Markt bleiben rechnerisch 21,6 Prozent der Einsätze übrig.
Welches Segment behält am meisten ein?
Nach den Jahreszahlen das Geldspielautomatenspiel in Spielhallen und Gastronomie mit 22,9 Prozent der Einsätze, gefolgt von Sportwetten mit 15,0 Prozent. Virtuelles Automatenspiel und Online-Poker liegen gemeinsam bei 7,0 Prozent, weil dort Gewinne besonders häufig erneut eingesetzt werden.
Ist der Bruttospielertrag dasselbe wie der Umsatz?
Im wirtschaftlichen Sinn kommt er dem Umsatz eines Anbieters am nächsten. In der Glücksspielstatistik wird das Wort Umsatz allerdings häufig für die Einsätze verwendet, weshalb beide Begriffe getrennt gehalten werden sollten.
Quellen dieser Seite
- Jahrbuch Sucht 2025, Kapitel 2.4 „Glücksspiel – Zahlen und Fakten“, Gerhard Meyer, Tobias Hayer, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), Berichtsjahr 2023, DOI 10.2440/012-0021. Einsätze, Bruttospielertrag, Staatseinnahmen, Schätzung für den nicht regulierten Markt.
- GGL-Marktmonitor Glücksspiel, Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL), aktualisiert 2026-06-23. Spieleinsätze (nicht Bruttospielertrag).
Alle Anteile und Vorjahreswerte auf dieser Seite sind aus den berichteten Größen berechnet und als solche gekennzeichnet. Der Marktüberblick steht unter Glücksspielmarkt Deutschland, die Rechtsgrundlagen unter Rechtslage.