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Streuung · nachgerechnet

Volatilität und Varianz: was die Streuung über einen Spielabend sagt

Die Auszahlungsquote sagt, was ein Spiel im Durchschnitt kostet. Die Volatilität sagt, wie weit ein einzelner Abend davon abweicht, und genau diese zweite Größe entscheidet darüber, wie sich ein Spiel anfühlt.

Streuung greifbar machen

Wette und Runden

5,84Standardabweichung je Runde
± 51,17 pp95-Prozent-Korridor
25,4 %Chance, mehr als 20 % im Minus zu enden

Alle Wetten haben denselben Erwartungswert. Die letzte Zahl ist eine Normalapproximation und bei der Einzelzahl wegen der starken Schiefe nur ein Näherungswert.

Messing-Wasserwaage auf dunkelgrünem Lack, die Luftblase deutlich außerhalb der Mitte

Was Volatilität misst

Volatilität ist die Streuung der Ergebnisse um ihren Erwartungswert. Bei Automatenspielen wird sie meist als Klasse angegeben, von niedrig bis extrem, bei Wetten mit bekannter Auszahlungstabelle lässt sie sich als Zahl ausrechnen: die Standardabweichung je Runde. Sie beantwortet eine andere Frage als die Auszahlungsquote. Die Quote sagt, wie viel im Durchschnitt zurückkommt, die Standardabweichung, wie unzuverlässig dieser Durchschnitt für eine einzelne Sitzung ist.

Der Unterschied ist keine Feinheit. Vier Standardwetten am selben Roulettekessel haben exakt dieselbe Auszahlungsquote von 97,30 Prozent, aber ihre Standardabweichung reicht von 1,00 bis 5,84. Das ist ein Faktor von 5,8, bei identischem Erwartungswert. Wer eine Wettart wählt, entscheidet also nicht über den Preis des Spiels, sondern über die Größe der Ausschläge.

Streuung je Runde bei gleicher Auszahlungsquote, Kessel mit einem Nullfach
Wette Auszahlung Auszahlungsquote Standardabweichung Klasse
Rot oder Schwarz 1 : 1 97,30 % 1,00 niedrig
Douzaine 2 : 1 97,30 % 1,40 mittel
Cheval 17 : 1 97,30 % 4,07 hoch
Plein 35 : 1 97,30 % 5,84 sehr hoch

Was daraus für ein Guthaben folgt

Hohe Volatilität bedeutet lange Phasen ohne Treffer, unterbrochen von seltenen großen Auszahlungen. Für ein begrenztes Guthaben ist das die gefährlichere Kombination, weil die Verlustphasen vor dem ersten großen Treffer länger sind als bei ruhigem Spiel. Bei der Einzelzahl trifft man im Schnitt in einem von 37 Fällen; die Wahrscheinlichkeit, dreißig Runden hintereinander nicht zu treffen, liegt immer noch bei 44,0 Prozent.

Umgekehrt heißt niedrige Volatilität nicht günstig. Rot oder Schwarz kostet genauso viel wie die Einzelzahl, nur langsamer und gleichmäßiger. Der erwartete Verlust hängt allein an der Quote und am Gesamteinsatz; die Streuung verändert nur, wie das Ergebnis um diesen Wert verteilt ist. Wer deshalb eine niedrige Volatilität für ein günstiges Spiel hält, verwechselt Komfort mit Preis.

Für den praktischen Umgang folgt daraus eine einfache Reihenfolge: Erst die Quote vergleichen, weil sie den Preis bestimmt, dann die Volatilität, weil sie die Spielzeit bestimmt, die ein Guthaben aushält. Beide Größen zusammen beschreiben ein Spiel, eine allein beschreibt es nicht. Der Rechner zeigt die Preisseite, das Panel oben die Streuungsseite.

Warum Anbieter Klassen statt Zahlen nennen

Bei Automatenspielen steht in der Spielinformation üblicherweise eine Klasse und keine Standardabweichung. Das hat einen sachlichen Grund: Die Zahl wäre ohne die vollständige Auszahlungstabelle nicht überprüfbar, und für den Vergleich zweier Spiele desselben Anbieters genügt eine Ordnung. Es hat aber auch eine Folge: Zwei Spiele derselben Klasse können sich deutlich unterscheiden, und die Klassen sind zwischen Anbietern nicht abgestimmt.

Was in Deutschland dagegen fest steht, sind die Grenzen, innerhalb derer gespielt wird. Der Einsatz ist online auf einen Euro je Spiel begrenzt, ein Spiel muss durchschnittlich mindestens fünf Sekunden dauern, und gleichzeitiges Spielen mehrerer Automatenspiele ist untersagt. Am Geldspielgerät in Spielhalle und Gastronomie gilt zusätzlich eine Verlustgrenze von 60 Euro je Stunde. Diese Regeln begrenzen nicht die Volatilität eines einzelnen Spiels, aber sie begrenzen, wie schnell sich ihre Wirkung entfalten kann.

§ 22a Abs. 7 Satz 11,00 €Höchsteinsatz je Spiel
§ 22a Abs. 6 Satz 15 sMindestdauer je Spiel
§ 13 Nr. 460 € / hHöchstverlust je Stunde

Quellen: § 22a GlüStV 2021, Virtuelle Automatenspiele und § 13 Spielverordnung (SpielV).

Häufige Fragen zur Volatilität

Ist hohe Volatilität schlechter als niedrige?

Für den erwarteten Verlust macht sie keinen Unterschied, der hängt an der Quote. Für ein begrenztes Guthaben ist hohe Volatilität riskanter, weil die Verlustphasen länger sind.

Kann ich Volatilität aus der Auszahlungsquote ableiten?

Nein. Beide Größen sind unabhängig. Die vier Roulettewetten in der Tabelle oben zeigen das: gleiche Quote, Standardabweichung von 1,00 bis 5,84.

Was bedeutet „Varianz" im Unterschied zur Volatilität?

Die Varianz ist das Quadrat der Standardabweichung. Umgangssprachlich werden beide Begriffe für dieselbe Eigenschaft benutzt: wie weit die Ergebnisse streuen.

Gibt es Spiele ohne Volatilität?

Nur solche ohne Zufall, und die gehören nicht zum Glücksspiel. Jede Wette mit unsicherem Ausgang streut; die Frage ist nur, wie stark.

Quellen

Grundlagen unter RTP, Preisseite unter Hausvorteil.